Am 29.11.2017 trafen sich Entscheider aus Politik, Verwaltung und Industrie in Berlin in der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen zur TelematicsPRO Jahrestagung. In diesem Jahr standen Mobilitätskonzepte für die Stadt von morgen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Seit Jahren bestehen EU-Grenzwerte für Feinstaub und andere Schadstoffe in Städten. Diese werden immer wieder überschritten. Allzu lange sind die Kommunen davon ausgegangen, dass das Problem durch Fortschritte in der Fahrzeugtechnologie gelöst wird. Spätestens seit Beginn des Dieselskandals ist jedoch klar, dass dies allein nicht ausreicht. Es drohen jetzt hohe Zwangsgelder und Fahrverbote. Deshalb sind nun intelligente und nachhaltige Verkehrskonzepte gefragt!

In den Impulsvorträgen stellten Staatsrat Ronny Meyer von der Freien Hansestadt Bremen und Thomas Kiel vom Deutschen Städtetag das Spannungsfeld des urbanen Verkehrs zwischen Feinstaub und Dieselskandal und die Ergebnisse des daraus resultierenden „Dieselgipfels“ vor. Der zur Verfügung stehende Fond hat eine Höhe von 1’000 Mio €. Die Kommunen sind nun aufgefordert, Pläne zur Verbesserung der Luftqualität einzureichen.

Das von Prof. Martin Lühder von der FH Münster in Vertretung von Gerhard Joksch (Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Münster) vorgestellte neue Münsteraner Verkehrskonzept geht weit über kurzfristige Maßnahmen hinaus. Es umfasst langfristige Verbesserungen im Öffentlichen Personenverkehr, der Radinfrastruktur wie auch die Prüfung von Road-pricing (Stadtmaut) zur Verringerung des Autoverkehrs in der Innenstadt.

Den Vormittag schloss Amir Roughani (CEO der Vispiron Group) mit einem Blick in die disruptive Zukunft des Verkehrs ab. Zur Lösung der globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Disruption und der Trend zu immer größeren Megacities muss die Zukunft mit nachhaltigen und innovativen Produkten und Lösungen gestaltet werden. Im Fuhrpark bietet Vispiron neben klassischen, telematischen Fuhrparkmanagementsystemen auch Corporate Carsharing Lösungen und weitere innovative Analyseverfahren und Lösungsansätze.

Einen weiteren Lösungsansatz in Form von „Mobility as a Service“ Dienstleistungen stellte Josef Czako von Moving Forward Consulting vor. In einem solchen Konzept werden eine oder mehrere Kundenplattformen für Intermodale Fahrten von A nach B Implementiert. Um diesen zukünftigen Markt nicht an außereuropäische Mitbewerber zu verlieren, sind Kooperationen zwischen den unterschiedlichen europäischen Marktteilnehmern dringend geboten.

In den drei folgenden Firmenvorträgen wurden Technologien zur Analyse der tatsächlichen Verkehrssituation und der Verkehrsströme vorgestellt. Holger Hochgürtel zeigte, wie Inrix-Lösungen Mobilitätsdienstleister befähigen, bessere Produkte anzubieten. Herbert Woopen von Opus Inspection in Köln stellte eine Technologie zur Messung der tatsächlichen Emissionen von vorbeifahrenden Fahrzeugen vor. Zum Abschluss dieses Blocks präsentierte Leon Rizzi von Moovit Ltd. aus Israel Tools und Dienstleistungen zur Analyse von Verkehrsströmen und -bedarfen im Öffentlichen Verkehr.

Den Abschluss des Vortragsteils bildete das Projekt MoveBW. Dieses vom Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg geförderte Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, die urbane Mobilität – vor allem in der extrem belasteten Stadt Stuttgart – zu optimieren. Der verfolgte Ansatz ist ganzheitlich und nutzerzentriert: Verkehr wird vermieden und intelligent verteilt. Dabei werden die Bedürfnisse der Beteiligten individuell bedient.

Abschließend fassten die Referenten den erfolgreichen und informativen Tag zusammen. Die wichtigsten Schlüsse, die gezogen werden konnten, waren die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Stakeholder und ein Appell an die Beteiligten, den disruptiven Prozess anzunehmen und aktiv zu gestalten.

Veranstaltungen
  • keine Veranstaltungen